Dunkerque, Duinkerke oder Dünkirchen ist der Ausgangspunkt meiner kleinen Normandiereise Anfang Juni. Mein Plan war, die ersten Sommersonnenstrahlen einzufangen, während ich ein Stück Frankreich sehen wollte, das ich bisher nicht kannte. Den Norden, der ja bekanntlich südlicher liegt als der deutsche Norden, so dass man vom Ruhrgebiet aus West-Südwest fährt.
Ein strahlend blauer Himmel begleitete mich während der gesamten Fahrt, jedoch Richtung Küste wurde es stürmisch. Kurz vor meiner Ankunft, noch in Belgien, forderte mein Auto Ad-Blue und ich beschloss, darauf zu hören. An der nächsten Tankstelle kaufte ich einen Kanister. Ich dachte, ich nehme meinen Trichter und fülle es einfach ein. Aber nein, so hatte ich nur gedacht. Ein netter Belgier öffnete mir den Verschluss, weil ich zu schwach dazu war. Die Position des Trichters aber war viel zu waagerecht am Einfüllstutzen, so dass ich keine Idee mehr hatte, wie ich den Stoff in den Tank kippen sollte, meine Schuhe waren bereits versaut. Dann stieg neben mir eine freundliche Frau aus einem britischen Auto aus und half mir mit einer kleinen Plastikwasserflasche, so dass der Strahl umgelenkt wurde und in den Tank kam. Die Frau entpuppte sich als Deutsche, nur der Mann war Engländer. Nachdem ich eine kleine Ladung eingefüllt hatte, nur das Nötigste, verabschiedete ich mich von den Leuten und dankte ihnen herzlich. Ich schreibe das so ausführlich, weil es für mich auf eine Art Europa darstellt, an einer Grenze, die keine mehr ist. (Den Rest aus dem Kanister füllte ich am nächsten Tag mit einer größeren Trinkflasche ein und bin mir sicher, dass mir das in der Form nicht wieder passiert.)
Ich kam zügig am Campingplatz an und fand einen Stellplatz. Der Campingplatz liegt zwar hinter den Dünen, jedoch fegte ein kalter Wind, ein bisschen mehr Sturm als Wind, vom Meer. Am Strand war es noch heftiger, Sand trieb einem in die Augen und prickelte auf der Gesichtshaut. Ich wanderte weit am Strand entlang und schaute und hatte dabei das Gefühl, dass ich hier schon einmal gewesen war. Als die Kinder klein waren, hatten wir in einem Sommer Urlaub an der belgischen Küste gemacht, und hier sah es fast identisch aus, die breite Promenade, die Fassaden der Häuser, der breite Sandstrand.
Der Sturm störte mich sehr, ich bekam davon Kopfschmerzen und beschloss, mich erst von der Fahrt zu erholen und am nächsten Tag mit dem Fahrrad am Strand entlang zu fahren, um nach Dunkerque hinein zu gelangen und mich dort umzuschauen.
Was ich dann tat. Es war das gleiche Wetter wie an meinem Ankunftstag, stürmisch, kühl, wieder strahlend blauer Himmel. Ich fuhr bis zum Denkmal der Eroberung der Stadt durch die Wehrmacht 1940 und dann stadteinwärts. Ich war am Hafen und in der Innenstadt mit einem beeindruckenden Rathaus, an dem leider ein Baugerüst hing.
Die Stadt hat übrigens ein großzügiges Fahrradnetz, Fahrräder haben Vorrang, auf Plakaten wird dafür geworben, dass die Leute möglichst per Fahrrad zur Arbeit fahren sollten. Mein Fazit war, dass ich mich mit dem Fahrrad sehr sicher fühlte. Die Fahrradfahrstreifen waren ausreichend breit, auch für Lastenräder, dafür gab es nur einen Fahrstreifen für Autos, die zweite Spur hatte man offensichtlich zurückgebaut. Wenn man will, geht es. Ohne Staus und ohne Ärger, wenn alle aufeinander Rücksicht nehmen.
Am Hafen
Das Rathaus
Und wieder zurück über den weiten Strand
