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In der Südpfalz

Mein erster Ausflug in diesem Jahr ging in die Weinberge in die Südpfalz. Fast 400 km Fahrt waren mir eigentlich zu weit, nur für ein längeres Wochenende. Aber da war ich noch nicht gewesen, und außerdem war Frankreich in der Nähe. Mal schauen, was mir einfallen würde.

Dank der hohen Spritpreise gab es keinen einzigen Stau und wäre nicht die Straße zum Dorf Dierbach weiträumig gesperrt gewesen, hätte ich es zügig erreicht. So drehte ich 3 Ehrenrunden, aber dann war ich da. 

 

Ältere Herren im weißen Rippenhemd (oder bilde ich mir das jetzt nur ein?) warteten schon und schauten zu, wie ich elegant meine Karre rückwärts einparkte. Nein, sie klatschten nicht, sie wandten sich wieder ihren Frauen zu und tranken weiter. Wein.  Weinstöcke, so weit das Auge reicht, natürlich noch kahl im April, dazwischen die abgeblühten Löwenzahnblüten, also deren  weiße Köpfe. 

 

Es ist schon ein hoher Genuss, wenn ich nach so einer Fahrt mein Stühlchen raushole, die Kaffeemaschine anschmeiße und mit hochgelegten Füßen die Frühlingssonnenstrahlen genießen kann.

Nach dem Kaffeetrinken, dem Checken der Lage und dem Probieren einiger Weißweine kaufte ich eine Flasche. Es gab nur Literflaschen, die sie zum Probieren geöffnet hatten. Nach der Fahrt schmeckte mir alles.

 

Der Stellplatz neben dem Weingut war riesig. Es gab zwar nur je eine Toilette für Männer und Frauen, aber das waren in Wirklichkeit 2 vollwertige Badezimmer mit Toilette, Dusche und Waschbecken, und wenn man einmal drin war, war es egal, ob du Mann oder Frau bist. Das konnte man von außen ja nicht sehen.

 

Es gab auch ein Restaurant. Das war auch ziemlich groß. Ich aß einen Flammkuchen, trank dazu Wein und bezahlte weniger als 15 Euro. So hatte ich den hohen Spritpreis schon fast raus. 

 

Am nächsten Morgen machte ich mich mit dem Fahrrad auf Richtung Frankreich, bei angenehmem Fahrradwetter. Bis zur Grenze sollten es 12 Kilometer sein, und die Fahrrad-App Komot leitete mich durch die Arbeitswege der Weinberge. Die Südpfalz ist allerdings ein bisschen hügelig, und den ersten Hügel rauf schob ich. Aber danach kam ich schnell voran, und bevor ich mich versah, hatten die Autos französische Nummernschilder und die Leute sprachen Französisch. So kam ich per Fahrrad durch Frankreichs Hintertür in den Vorort von Weißenburg / Wissembourg (Nordelsass). Zufällig war in Wissembourg Markt, aber ich brauchte nichts. Außer Seife, die kaufte ich, und dann sah ich einen Buchladen, da kaufte ich 2 Bücher. Und dann besichtigte ich die Kirche und fotografierte die Häuser.

 

Und dann hatte ich Hunger und da war ein Gasthaus. Ich aß wieder Flammkuchen, diesmal wirklich im Elsass. Die hatten den aber mit viel Käse garniert und noch mehr frischem, in Scheiben geschnittenem Knoblauch. Danach war mir fast schlecht. Zum Glück musste ich die 12 Kilometer wieder zurück und konnte das Zeug verdauen.

 

Am dritten Tag, dem Sonntag, war es kälter geworden. Ich machte einen Spaziergang von über einer Stunde durch die Weinberge und bestaunte die Frühlingsfarben, den blauen Himmel, die gelben Rapsfelder und dazwischen die Rebstöcke mit den Pusteblumen dazwischen, die von weitem aussahen wie Bodennebel. Ich freute mich dabei, dass mein rechter Fuß wieder einigermaßen einsatzbereit war, war ich doch Ende Februar am Fuß operiert worden. 

 

Eine Stunde Spaziergang am Vormittag füllt den Tag nicht aus, und so nahm ich doch noch das Fahrrad, obwohl es kühl war und vor allem stürmisch. Ich fuhr nach Bad Bergzabern, das war nicht weit und die Berg- und Talfahrt hielt sich in Grenzen. An einem kühlen Sonntagnachmittag im April  in einer fremden Stadt herumzulaufen, wo es auf Anhieb nichts besonders Interessantes zu sehen gab, das kann passieren. Ich fand noch nicht einmal ein Café. Hätte Lust auf ein schönes Stück Kuchen gehabt. Stattdessen bot ein Eissalon mir aufgetauten Apfelstrudel an, auf Eis hatte ich keine Lust. Na ja, die Bewegung an der Luft hat nicht geschadet. Ich hatte noch nicht einmal Lust auf ein Foto gehabt.

 

Am Montag fuhr ich zügig nach Hause und freute mich schon auf den Sommer. Ich hatte mein kleines Urlaubs-Zuhause nach dem Winter wieder zurückerobert. Die Literflasche Weißwein, die ich am Ankunftstag gekauft hatte, habe ich nicht geschafft. Das Zeug schmeckte mir nicht. Ich habe zu Hause Zwiebelsuppe daraus gemacht und den Rest weggeschüttet. 

 

Bei meiner nächsten Reise werde ich unter anderem Bordeaux ansteuern. Davon aber berichte ich zur gegebenen Zeit.