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Ab in die Wetterküche

So fuhr ich denn gestern aus Frankreich südlich hinaus nach Donostia-San Sebastián im Baskenland. Bei einigermaßen gutem Wetter kam ich an. Der Campingplatz liegt 4 km außerhalb des Stadtrands und die Zufahrtsstraße ist mir zu hügelig, um das Fahrrad zu nehmen. Es fährt ein Shuttle-Bus bis zum Stadtrand und von dort aus kann man den Bus ins Zentrum nehmen.

 

Aber gestern schaute ich mir zuerst einmal die nahe Umgebung an. Ich stieg rechts vom Campingplatz eine steile Straße hinauf, von der aus ich die Autobahn hören konnte. Trotzdem war es sehr einsam. Von weitem sah man die ersten Gipfel der Pyrenäen und schaute in recht tiefe Schluchten hinunter. In zwei Kilometern sollte ein Dorf sein, das ich aber nicht ganz erreichte, weil es schon spät war und ich Hunger hatte. Der Minimarkt auf dem Campingplatz war eine Enttäuschung, so dass ich ins Restaurant gehen musste. Das sieht gut aus. Als die Holländer gerade wieder gingen - die essen ja früh - setzte ich mich. Das Essen war allerdings eine Enttäuschung, man schmeckte, dass die Sauce aus dem Glas war. Nach dem Essen setzte ich mich noch zu dem Mann, den ich vorher schon bei den Waschmaschinen und im Minimarkt getroffen hatte und der Deutscher war. Ich drängte mich einfach auf, weil ich mich unterhalten wollte. Die Unterhaltung war trotzdem nach meinem Geschmack. Allzu lange wollte ich mich aber nicht aufdrängen, und daher ging ich zügig in meinen Bau.

 

Heute morgen ließ ich mich mit dem Shuttle-Bus zur Bushaltestelle bringen. Die Sonne schien noch, die Wetter-App sagte zu 30 % leichten Regen voraus. Vorsichtshalber nahm ich den in Bordeaux neu erworbenen Schirm mit. Ich machte ein Foto von dem Ort, an dem der Shuttle-Bus die Leute vom Campingplatz wieder abholt, und auch noch eins von der Haltestelle des öffentlichen Bus. An der Endstation sollte man aussteigen. Das sei das Stadtzentrum. Von dort ging ich weiter in die Alte Stadt am Hafen. Schon fing es an zu regnen. Es war ein sehr feiner Regen, aber bis auf ganz kurze Pausen begleitete dieser mich. Um zur Alten Stadt zu gelangen, führte eine gerade Straße direkt auf die St. Vinzenz-Kirche zu. Dort ging ich hinein und staunte über die goldene Pracht der Altäre. 

 

Ich ging danach weiter zum Yachthafen und stellte fest, dass dieser Teil der Altstadt fast nur aus Kneipen besteht, die Pintxas anbieten. Das sind kleine, den Tapas ähnliche Speisen, jedoch meist auf kleinen Baguette-Stücken. Es war aber noch zu früh zum Essen, obwohl ich bereits Hunger hatte. Am Ende dieser Straße, durch ein Tor gelangend, sah ich im Hafen ein Gebäude, auf dem "Aquarium" stand. Bei Regen ist das vielleicht angebracht, dachte ich. Nach vielen Ausstellungsstücken zum Fischfang der Basken, den Booten, Waffen für den Walfang und die Piraterie gelangte man ans Aquarium, in dem sich viele Atlantikfische befanden, auch einige Haie. Denen würde ich tatsächlich nicht gern beim Tauchen begegnen, doch diese Fische so über und neben mir schwimmen zu sehen, getrennt durch eine dicke Glaswand, war zwar spannend, aber auch beruhigend.

 

Als ich mit ziemlichem Hunger wieder draußen war, regnete es stärker. Ich flüchtete mich in die erstbeste Bar und suchte mir zwei Fisch-Pintxos aus, dazu trank ich eine Cola. Als ich damit fertig war, hatte ich immer noch ein bisschen Hunger. Das war von mir so geplant, weil ich in eine weitere Kneipe gehen wollte, denn es regnete immer weiter. Von wegen 30 % Regenwahrscheinlichkeit. Diesmal wählte ich Meeresfrüchte und dachte, egal, ich trinke dazu einen Wein. Weil das alle machten, außer einem Japaner, der trank dazu Kaffee und machte ein komisches Gesicht. Diese Kneipe war sowieso touristischer als die vorige. Am Wein hielt ich mich so lange fest wie ich konnte. Zum Glück war ich satt, sonst hätte ich den ganzen Nachmittag mit dem Probieren von Pintxos zugebracht. Und an der anschließenden Eiweißvergiftung mit leichter Trunkenheit wäre nur das Wetter schuld gewesen. 

 

Ich schaute mir lieber noch ein paar Läden an. Kurz setzte ich mich auf eine überdachte Fensterbank und kam mit einer Einheimischen ins Gespräch, die mir sagte, in San Sebastián regne es immer. Nur letzte Woche sei es einmal ganz warm gewesen, das sei aber sehr unüblich für diesen Ort. Die Frau war eine Fremdenführerin, sagte sie. 

 

Es war erst halb drei Uhr nachmittags, aber mir wurde durch die Nässe langsam ungemütlich, außerdem hatte ich frisches Gemüse in meinen Rucksack gepackt, um für 2 Tage kochen zu können. Also nahm ich den Bus zurück. Ich fragte den Busfahrer, wie ich es anstellen sollte, die Bushaltestelle "Tolosa" zu finden. Er sagte, das sei ja angezeigt, war es aber nicht. Ich fluchte lautlos vor mich hin und wollte gerade alle Spanier als arrogante Typen abkanzeln, als eine Frau mir sagte, sie steige da auch aus. Ich stellte mich mit ihr vorn hinter den Busfahrer, der mir dann tatsächlich die Haltestelle ganz vorbildlich zeigte.

 

Leider hatte ich aber trotzdem einen Fehler gemacht, weil ich mir die Rückfahr-Zeiten des Shuttle-Bus nicht richtig angeschaut hatte. Ich hatte gedacht, der käme stündlich, aber das stimmte nicht, ich hätte zwei Stunden warten müssen mit meiner klammen Jeansjacke im Regen stehend. Also ging ich die knapp 4 km zu Fuß und machte mir einen Spaß daraus, die Zeitangabe von Google zu überholen. Ich war über 10 Minuten schneller.

 

Zusammenfassend stelle ich fest, dass trotz des Regens diese Stadt mich sehr beeindruckt hat. Es ist ein großer Unterschied zu Frankreich, alles ist irgendwie laut und voller Musik und urigem Leben, auch wenn vieles touristisch ist. Die baskische Sprache steht immer an erster Stelle, vor dem Spanischen, aber sprechen hören habe ich es niemanden. Morgen werde ich mir die Bay anschauen, die Bucht vor dem Stadtzentrum. Dazu muss man etwas eher aus dem Bus aussteigen. Das Wetter soll morgen besser werden, aber das bleibt abzuwarten.