Am zweiten Tag in San Sebastián, gestern, war ich schon Meisterin der Bushaltestellen und brauchte niemanden mehr zu fragen. Der Wettergott meinte es sehr gut, es war strahlender Sonnenschein und angenehm warm. Zum Wassergott komme ich noch.
Dieses Mal stieg ich am Strand aus. Viele Leute lagen an diesem Sonntagmittag am Strand, einige waren im Wasser. Der Wellengang in dieser Bucht hielt sich in Grenzen, aber der Atlantik wird durch Wellenbrecher und die Hafeneinfahrt in Schach gehalten, so dass - bei angenehmen Temperaturen - sogar ich ins Wasser gehen würde. Gestern aber zog ich nur meine Schuhe aus und krempelte meine Hose hoch, um festzustellen, dass das Wasser die normale Nordseetemperatur hatte, also geschätzt 17 Grad. So ließ ich die Schwimmer schwimmen und setzte mich kurz in den Sand.
Kurz vor dem Sonnenbrand ging ich lieber weiter, immer die Bucht entlang, bis zu deren Ende. Dort stehen einige große Gebilde aus Eisen, die in etwa eine Mischung aus Ankern und Riesenschlüsseln sind und "Windkamm" heißen. Hier, vor den Wellenbrechern, schlugen die Wellen kräftiger auf, ich versuchte, den Schaum zu fotografieren. Als ich genug geschaut und Fotos gemacht hatte, ging ich zurück, langsam kam Hunger auf. Ich legte meinen Schnellgang ein, weil ich merkte, dass die erstrebenswerten Leckereien auf der anderen Seite der Bucht zu finden sind, da, wo ich den Tag zuvor war. Die Pintxos-Bars und die Fischrestaurants am Hafen. Bei dem wunderschönen Wetter verwarf ich unterwegs die Bars und setzte mich in das beste Fischrestaurant mitten im Hafen, mit schönem Blick auf die Bucht. Hier saßen die spanischen Familien und die Franzosen. Holländisch hörte ich nicht, nur an einem Tisch schräg gegenüber meine Muttersprache, gesprochen von zwei Frauen, etwas jünger als ich.
Es geht mir niemals darum, irgendwelche Bewohner eines bestimmten Landes zu be- oder gar verurteilen, weder Holländer noch Marokkaner, aber wenn man schon viel Geld ausgibt, sollte die Qualität des Essens stimmen, und jeder weiß ja, dass der Durchschnittsniederländer eigenartige Vorlieben hat. Ich bestellte Gambas mit Brot. Davon wird ein normaler Mensch nicht satt, ich jedoch ließ alle Schnörkel wie Salat oder Nachtisch weg, und machte mich zügig an die großen Gambas, die da unter einer feinen Schicht Tomatensoße vor mir lagen. Entschuldige, Neptun, dachte ich noch, weil ich so viel aus deinem Reich in mich reinstopfe, aber das wird sich wieder ändern, wenn ich demnächst nordostwärts nach Hause fahre. Also nahm ich beherzt die Gabel, um damit den runden Körper der Meeresfrucht zu fixieren, und mit dem Messer fuhr ich an der Seite entlang, um die Schalen vom Fruchtfleisch abzuheben. Zum Glück dachte ich schnell daran, die Stoffserviette über meiner lindgrünen Leinenhose auszubreiten, jedoch schossen etliche Tropfen Tomatensauce nicht nur auf mein Gesicht, meine Brille, sondern auch auf das lindgrün gemusterte T-Shirt.
Ach Neptun, du hast alles Recht der Welt, dich zu rächen, aber es schmeckte mir trotzdem. Lachend erwähnte ich mein Missgeschick, als ich mich beim Rausgehen am Tisch der beiden deutschen Frauen vorbeidrängte. Die erzählten mir, dass ihnen das am Tag zuvor genau so passiert sei. Tja, merke: Tomatensoße auf Schalentier isst man entweder mit Regenjacke oder im Bikini, aber so kannst du nicht im Restaurant sitzen...
Zum Nachtisch holte ich mir noch eine Kugel Eis an einer der Eisbuden neben den Restaurants, und dann war ich wirklich satt. So schlenderte ich nun, da ich kein Bedürfnis nach irgendwas mehr hatte, gemütlich am Strand entlang, barfuß, in die Mitte der Bucht, um den Bus zu nehmen, wo ich ausgestiegen war. Jetzt, im Sonnenschein, ist die Stadt sehr einfach zu durchlaufen. Man muss sich nur an der Bucht orientieren, die im Dreiviertelkreis vor der Stadt liegt.
Auf dem Rückweg kam ich wieder an diesem imposanten Gebäude vorbei, das ich auch fotografierte. Es ist das Rathaus (oben als Titelbild)! - Heute Morgen, während ich dies schreibe, ist es neblig, aber mild. Ich werde gleich nochmal in die Stadt fahren. Heute nehme ich mir Geschäfte vor, und vielleicht die Anhöhe in der Bucht, auf die ein Aufzug führt. Man soll eine gute Aussicht haben, was bei Nebel jedoch nicht ganz so gut funktioniert. Vielleicht aber kommt die Sonne noch. Wer weiß...
So, jetzt folgen wieder ein paar Fotos.








