Vorgestern schaffte ich es, zeitig von San Sebastian Richtung Frankreich loszufahren. Was ich nicht schaffte, war das Erreichen einer Tankstalle vor der Autobahn. Die letzte mögliche, schon im Auffahrtsbereich, kam nicht in Frage, weil ca. 20 LKWs davor warteten. Von weitem sah ich "1,64 Euro für Diesel", aber sollte ich mich mindestens eine Stunde zwischen die LKWs stellen oder lieber 20 Euro mehr für das Tanken in Frankreich in Kauf nehmen? Ich entschied mich für letzteres, hatte aber die Hälfte der Fahrt über ziemlich schlechte Laune, bis ich diese 20 Euro auf die Gesamtkosten der Reise umlegte. Also gut.
460 zu fahrende Kilometer warteten auf mich, Autobahn über Pau, Toulouse und dann noch bis Albi. Ab da waren es noch über 100 km National- und Regionalstraßen, die aber gut ausgebaut waren. Ziemlich geschafft kam ich in Millau an einem Campingplatz an, den ich mir vorher im Internet ausgesucht hatte. Der davor wäre besser gewesen, ich hatte nicht einmal gebucht, aber leider war ich im Augenblick der Ankunft blind. Nachdem ich mein Gefährt installiert hatte, fuhr ich mit dem Fahrrad zum nächsten Supermarkt, der schnell erreicht war. Dass ich dort verzweifelt mein Handy suchte, obwohl ich es in die Jackentasche gesteckt hatte, war wohl das Ergebnis einer zu langen Fahrt.
Am nächsten Morgen aber war ich wieder fit. Ich ging zum Touristenbüro und fragte, wie man zur Brücke von Millau kommt. Die ist eigentlich der Hauptgrund, warum ich mich hier aufhalte. Das ist die höchste Autobahnbrücke Europas, ach was, der Welt! Und wer hat sie gebaut? Mein immer noch Arbeitgeber in Frankreich, und vor Jahren hätte ich mich fast dazu verleiten lassen, an dem alle 2 Jahre stattfindenden Firmenlauf über die Brücke teilzunehmen. Wie gut, dass ich mir das selbst ausgeredet habe damals.
Der Fußweg wurde mir einigermaßen beschrieben, es war aber kein großes Kunststück, weil man nur dem Fluss Tarn folgen muss, über dessen Tal die gewaltige Brücke gespannt ist. Von weitem sah ich sie schon, aber immer, wenn ich dachte, gleich sei ich da, war die Brücke wieder weg und tauchte nach der nächsten Kurve in gleich weiter Entfernung wieder auf. Die 5 km, die irgendwo genannt waren, hatte ich mit Sicherheit längst geschafft. Dann kam mir jemand entgegen und meinte, nach einer guten halben Stunde hätte ich es geschafft. So war es denn auch. Ich stand unter dem höchsten Pfeiler, dem in der Mitte, und konnte nur staunen. Wie gut, dass ich damals nicht an dem Lauf teilgenommen hatte. Fotografieren kann man die Brücke nur von sehr weitem, von so nah nur einige Elemente. In einem Flyer, den ich am Campingplatz gefunden hatte, stand, dass man einen der Pfeiler von innen begehen könnte. Ich fand aber keinen Hinweis. Das geht wahrscheinlich nur bei geführten Besichtigungen, und die finden erst ab Juli statt. So hatte ich Geld gespart und trotzdem gesehen, was ich wollte.
Zurück war ich dann doch ziemlich zügig, weil ich den Weg kannte. Vor der letzten Kehre gönnte ich mir ein Brombeereis, und das war das Leckerste, was ich seit langem genascht hatte. Das lag hauptsächlich am Durst, der Rest meiner kleinen Wasserflasche war brühwarm. Nachdem ich zurück war - ich war erst nach dem Mittag losgegangen - hatte ich nicht mehr Lust auf viel, auch, weil mein Ende Februar operierter Fuß noch nicht ganz heil ist. Ich ging noch in den gut temperierten Pool. Gestern war das Wetter übrigens ideal für eine derartige Wanderung, etwas über 20 Grad, Wind, Sonnenschein.
Heute, da ich das schreibe, ist es richtig warm geworden, und ich habe zum ersten Mal während der Tour meine Markise ausgefahren. Heute Morgen war ich auf dem Markt in Millau. Wenn ich die Stadt besichtigt habe, werde ich meinen nächsten Bericht schreiben. (Bilder folgen)
