Meine diesjährige Frankreich-Reise beginnt mit einer langen Fahrt bis Paris. Vor diesen Moloch-Städten habe ich immer Angst. Man muss dem Navi gut gehorchen, denn wenn man einmal auf der inneren Rundumstraße, der Périphérique, nicht den korrekten Abzweig benutzt, muss man die Runde nochmal drehen, fürchte ich. Oder es wird kompliziert. Ich schaffte aber die korrekte Abfahrt, um zum Camping in Maisons-Laffitte zu gelangen. Dass kurz vor dem Camping die Zufahrt gesperrt war (an Feiertagen), machte es etwas komplizierter. Ich drehte also doch einige Ehrenrunden, andere Camper ebenfalls. Der Campingplatz liegt an der Seine, man kann theoretisch mit dem Fahrrad wunderbar bis zum Eiffelturm fahren.
Ich hatte allerdings für den nächsten Tag eine Verabredung mit einer Bekannten aus grauer Vorzeit. Sie würde mich mit dem Auto abholen, und da sie inzwischen behindert ist, konnten wir Museen gratis besuchen, ich als Begleitperson.
Zunächst musste ich mich jedoch von der Fahrt erholen. Da mir kein Essen mehr schmecken wollte und ich Muskelschmerzen hatte, maß ich meine Temperatur und stellte fest, dass man so etwas Fieber nennt. Also mit Paracetamol ins Bett und den Wecker für den nächsten morgen auf sieben Uhr stellen in der Hoffnung, dass es dann besser wäre.
War es, jedenfalls kein Fieber mehr. Sie, meine Bekannte, holte mich pünktlich ab, inzwischen war die Straße zum Camping wieder geöffnet. Wir fuhren ungefähr mit dem Auto so lange nach Paris rein, wie ich am Vortag gebraucht hatte, um ganz Belgien zu durchqueren. Es herrschte ein enormer Verkehr, wir standen mehr als dass wir fuhren. Mit dem Fahrrad wäre es tatsächlich schneller gegangen. Außerdem benutze sie nie die Klimaanlage, sagte sie, da sie dadurch 2 Liter auf 100 km spare. Hitze treibt Erkältung aus, das war daran das Gute.
Wir besichtigten zuerst das Musée Jacquemart, das in einem wunderschönen alten Schloss auf dem Boulevard Haussmann beherbergt ist. Wir schauten uns französische Meister des Barock an. Ich finde es durchaus interessant, die Entwicklung von der Renaissance zum Barock zu sehen. Im Schloss gab es ein schönes Restaurant, wo wir zu Mittag aßen. Danach ging es gnadenlos weiter zum Musée Orsay, in einem ehemaligen Bahnhof, dessen baulicher Charakter auch in der Funktion des Museums erhalten geblieben ist. Hier hatte mich besonders interessiert, dass es eine temporäre Ausstellung von Renoir gab, "Renoir und die Liebe". Werke des Impressionismus zu sehen nach den alten Barockmeistern ist so, wie ein zartes Eis nach einer schweren Mahlzeit, obwohl beides ja lecker ist.
Gegen vier Uhr am Nachmittag waren wir beide platt. Wir genossen noch ein Stück Kuchen im Café des Musée d'Orsay und danach fuhr sie mit mir an der Seine entlang, damit ich nach langer Zeit noch einmal die Notre Dame, den Louvre und den Eiffelturm sehe. Der Eiffelturm kam mir komischerweise kleiner vor als er in meiner Erinnerung war.
Danach war ich noch bei ihr zum Abendessen eingeladen. Es war bereits nach zehn, als ich zurück am Campingplatz war und unter die Dusche gelangte und der Tag endlich zu Ende war.
Heute hatte ich eigentlich vor, mit dem Fahrrad zur Ile de la Cité zu fahren. Das wären 15 km gewesen. Die Komot-App leitete mich durch einen fiesen Verkehr, versprach allerdings, dass es bald besser würde. Ich verspürte eine leichte Schwäche und den starken Drang, das Vorhaben abzubrechen. Der Tag gestern stundenlang in dem saunaheißen Auto saß mir noch in den Knochen. Ich hatte mir die Tour anders vorgestellt, es waren schon wieder 30 Grad. Also fuhr ich zurück zum Camping und dann gemütlich ohne jegliche Appvorschläge an einem abgetrennten Arm der Seine entlang durch ein Naturschutzgebiet. Einmal gab es einen seichten Weg durch Gebüsch direkt zum Ufer. Ich ging diese paar Schritte und begegnete einem lustigen Fabelwesen. Zuerst erschrak ich mich, das Wesen war wirklich sonderbar. Dann aber sprach es mich ganz normal an, ich denke es war eine Frauenstimme. Sie, wenn es denn eine war, hatte einen dünnen Tarnanzug an, der aussah wie eine Strauchlandschaft am Ufer, sie trug dazu grüne Handschuhe. Der Anzug hatte eine Kapuze, die sie ebenfalls übergezogen hatte, so dass man von dem Menschen darunter nur etwas ahnen konnte.
Aber dann wurde ich neidisch. Denn die Verkleidung diente dem Zweck, Vögel zu fotografieren. Sie zeigte mir auf ihrem natürlich teuren Fotoapparat beeindruckende Bilder von Eisvögeln und sonstigen. Einen nannte sie Fischfresser, und sie hatte tatsächlich mit ihrer Kamera einen erwischt, der gerade einen Fisch im Schnabel hatte.
So etwas werde ich wahrscheinlich nie schaffen, dafür muss man Geduld haben, aber vielleicht nicht unbedingt einen Tarnanzug.
Ich machte heute nicht mehr viel. Morgen fahre ich weiter.
